Siri Ai gegen die EU 2.0
Warum Apples Siri AI in Europa schon wieder später kommt - und weshalb man sich langsam fragen muss, ob wirklich nur Brüssel bremst
Vor zwei Jahren hat Apple auf der WWDC Apple Intelligence vorgestellt und danach kam erst einmal Ernüchterung. Ein Teil der Funktionen ließ auf sich warten, vieles kam nicht so, wie es auf der Bühne gezeigt wurde, und in der EU wurde Apple Intelligence zunächst gar nicht gestartet. Apple begründete das damals mit dem Digital Markets Act und der Sorge, dass die geforderte Öffnung des Systems Privatsphäre und Sicherheit gefährden könnte.
Im Frühjahr 2025 kam Apple Intelligence dann doch in die EU. Apple selbst schrieb Ende März 2025, dass die Funktionen mit iOS 18.4, iPadOS 18.4 und macOS Sequoia 15.4 in vielen neuen Sprachen und Regionen starten. In der Support-Dokumentation steht heute außerdem, dass die meisten Apple-Intelligence-Funktionen für EU-Nutzer mit iOS 18.4 und iPadOS 18.4 verfügbar sind. Einen klaren öffentlichen Beleg dafür, dass es dafür eine formelle Sonder-Einigung zwischen Apple und der EU gab, gibt es aber nicht. Öffentlich belegt ist nur: Apple hat es am Ende in die EU gebracht.
Und genau deshalb ist die Situation 2026 so interessant. Denn jetzt wiederholt sich das Ganze praktisch noch einmal.
Apple hat auf der WWDC 2026 endlich die Siri vorgestellt, die man vor zwei Jahren im Kern schon versprochen hatte: deutlich natürlicher, kontextbezogener, stärker ins System eingebettet und näher an dem, was man sich unter einer wirklich modernen KI-Version von Siri vorstellt. Gleichzeitig hat Apple aber direkt erklärt, dass diese neue Siri AI in der EU nicht mit iOS 27 und iPadOS 27 starten wird. Apple begründet das wieder mit dem DMA.
Apple sagt konkret, dass die EU-Regeln sie dazu zwingen würden, anderen virtuellen Assistenten Zugriff auf Siri AI zu geben, und dass die von Apple vorgeschlagenen Lösungen von der Kommission nicht akzeptiert worden seien. Die EU-Kommission sieht das anders. Laut Reuters sagte ein Sprecher der Kommission, nichts im DMA verbiete Apple, das Produkt zu starten. Apple habe stattdessen eine Ausnahme beantragt, und genau diese Ausnahme sei nicht akzeptiert worden. Mit anderen Worten: Apple sagt, der DMA blockiert. Die EU sagt, Apple hätte liefern können, wenn Apple eine konforme Lösung gebaut hätte.
Und genau da beginnt für mich das eigentliche Problem.
Denn wenn Apple Intelligence 1.0 am Ende doch einen Weg in die EU gefunden hat, dann ist die Frage schon berechtigt, warum man bei Siri AI 2026 wieder an demselben Punkt steht.
Vor allem, weil Apple in der Zwischenzeit genug Zeit hatte, sich auf genau diese regulatorische Realität einzustellen. Die EU hat schon im September 2024 Verfahren gestartet, um Apples Interoperabilitätspflichten unter dem DMA zu konkretisieren, und im März 2025 dann zwei Entscheidungen veröffentlicht, die Apples Pflichten bei verbundenen Geräten und künftigen Interoperabilitätsanfragen weiter ausbuchstabieren.
Wichtig ist dabei: Man sollte nicht so tun, als würde die EU Apple einfach willkürlich schikanieren. Die Kommission argumentiert, dass Apple unter Artikel 6(7) des DMA effektive Interoperabilität mit iOS- und iPadOS-Funktionen ermöglichen muss, damit Drittanbieter europäischen Nutzern vergleichbare Erlebnisse bieten können. Auf dem DMA-Portal wird das ziemlich klar formuliert. Apple wiederum argumentiert, dass genau diese Öffnung bei sehr tiefen Systemfunktionen Privatsphäre und Sicherheit schwächen kann. Das ist also kein reines Schwarz-Weiß-Thema. Aber genau deshalb wirkt es schwach, wenn zwei Jahre nach dem ersten Konflikt wieder dieselbe Geschichte erzählt wird.
Denn aus Nutzersicht bleibt am Ende vor allem eins hängen: Wieder bekommt Europa Apples neue KI später oder gar nicht zum Start.
Und das ist ein Punkt, den man nicht einfach mit “die EU ist schuld” abhaken sollte. Wenn Apple die Risiken der DMA-Öffnung seit 2024 kennt und 2025 sogar schon einen verspäteten Apple-Intelligence-Start in der EU hinbekommen hat, dann ist die Frage legitim, ob Apple diesmal wirklich alles versucht hat - oder ob Apple erneut lieber verzögert, statt eine unbequeme, aber rechtzeitig funktionierende Lösung zu bauen. Das ist eine Frage, kein fertiges Urteil. Aber sie stellt sich inzwischen ziemlich klar.
Genau deshalb wirkt Apples Konflikt mit der EU so besonders. Denn Google und Microsoft zeigen, dass man KI-Systeme sehr wohl so bauen kann, dass sie sich mit anderen Diensten, Datenquellen und Erweiterungen verbinden. Der Unterschied ist nur: Apple geht bei sehr tiefen Systemfunktionen deutlich weiter in Richtung Schutz der Nutzerdaten, Kontrolle und eigener Sicherheitsarchitektur. Und genau an diesem Punkt prallen Apples Modell und die DMA-Logik der EU aufeinander.
Genau deshalb ist Apples Argument zwar nachvollziehbar, aber nicht automatisch überzeugend.
Ja, Apple hat recht, wenn das Unternehmen sagt, dass sehr tiefe Systemzugriffe bei KI neue Sicherheits- und Datenschutzfragen aufwerfen. Und ja, Apple hat seit Jahren eine deutlich restriktivere Haltung als viele Konkurrenten. Aber auf der anderen Seite zeigt der Markt eben auch, dass andere Unternehmen KI in Europa ausrollen, obwohl sie ebenfalls mit Datenschutz, Regulierung und Interoperabilität umgehen müssen. Apple wirkt deshalb nicht wie ein Unternehmen, dem man etwas Unmögliches abverlangt. Apple wirkt eher wie ein Unternehmen, das seine eigene Linie so hoch hängt, dass es im Zweifel lieber verzögert, statt Kompromisse einzugehen.
Und vielleicht liegt genau da das eigentliche Dilemma.
Apple verkauft seit Jahren Kontrolle, Geschlossenheit und Privatsphäre als Vorteil. Die EU zwingt Apple nun zunehmend dazu, genau diese Geschlossenheit zu öffnen. Gleichzeitig will Apple bei KI aber Funktionen liefern, die viel tiefer ins System eingreifen als klassische Apps oder Dienste. In dieser Kombination prallen zwei Logiken aufeinander: Die europäische Logik von Wettbewerb und Interoperabilität - und Apples Logik von Kontrolle und Sicherheitsarchitektur. Der Nutzer sitzt genau dazwischen.
Das macht Apple nicht automatisch zum Bösewicht. Aber es macht auch die EU nicht automatisch zum alleinigen Schuldigen.
Denn wenn sich dieselbe Geschichte innerhalb von zwei Jahren praktisch wiederholt, dann ist die Frage berechtigt, ob Apple die regulatorische Lage wirklich unterschätzt hat - oder ob Apple ganz bewusst in Kauf nimmt, dass Europa später dran ist, solange man das eigene System nicht so weit öffnen muss, wie Brüssel es verlangt. Auch das ist nicht abschließend beweisbar. Aber nach 2024, 2025 und jetzt 2026 ist es schwer, diese Möglichkeit komplett auszublenden.
Apple sagt, der DMA bremst Innovation. Die EU sagt, Apple hätte liefern können. Der Nutzer in Europa hat davon vor allem eins: wieder das Nachsehen.
Fazit
Ich finde, man sollte bei diesem Thema weder in das reflexhafte “die böse EU verhindert alles” verfallen noch in das ebenso einfache “Apple stellt sich nur an”.
Die spannendere und ehrlichere Frage ist: Warum hat Apple nach dem ersten Apple-Intelligence-Konflikt offenbar wieder keinen Weg gefunden, neue KI-Funktionen rechtzeitig nach Europa zu bringen?
Apple Intelligence 1.0 kam verspätet, aber sie kam. Siri AI 2026 startet wieder nicht zum Launch. Und genau deshalb wirkt diese Geschichte langsam nicht mehr wie ein einmaliger Sonderfall, sondern wie ein strukturelles Problem. Entweder Apple ist nicht bereit, früh genug Lösungen für europäische Regeln zu bauen. Oder Apples eigenes Produkt- und Sicherheitsmodell passt immer schlechter zu dem, was die EU regulatorisch verlangt. Wahrscheinlich ist es ein Stück weit beides.
Und genau deshalb fühlt sich das Ganze an wie Apple gegen die EU 2.0. Nicht weil alles identisch ist wie vor zwei Jahren. Sondern weil das Grundmuster wieder dasselbe ist - und Europa am Ende wieder warten darf.




Danke für die differenzierte Analyse und Beschreibung des Konflikts.
Das Fazit trifft es wirklich gut…. Wir als Nutzer sind die doofen… Google Gemini gibt es ja auch in der EU und das soll ja die Basis der neuen #SIRI sein…